Nach 40 Jahren am 40. Tag

Abergläubisches Unken hilft nicht. Schließlich leben wir nicht in China. Dort zumindest gilt die 4 als Unglückszahl. Vier Jahrzehnte unserer Selbständigkeit liegen hinter uns. Am 40. Tag dieses Jahres schrammte uns das Schicksal mächtig. Ein Wasserrohrbruch am 9. Februar 2012 zerstörte neben den über uns liegenden Wohngeschossen gut die Hälfte unserer Wirkungsstätte. Zwei Büros total vernichtet, der Eingangsbereich beschädigt, der Konferenzraum voll mit geretteten Archiven. Und im Rest unserer Bleibe rücken wir auf engstem Raum zusammen, um wenigstens noch das Wichtigste abzuarbeiten.

Es gibt tatsächlich Schlimmeres. Doch der aufgezwungene Umstand taugt nicht als Dauerlösung. Horden von Handwerkern, Gutachtern, Sachverständigen, Versicherungsmenschen, Architekten und Service-Leuten für das IT-Netzwerk und die Telefonanlagen schwirren durch die Räume, erfreuen sich an den eigenen Kommentaren und verfallen in Aktionismus, der hoffentlich zu etwas führt.

Unbeantwortet bleibt die wichtigste Frage: Wie lange noch? Trocknungsturbinen laufen 24 Stunden am Tag, Ozon-Geräte sollen den moderigen Gestand eliminieren, eilfertig hervorgezauberte Feuchtigkeitsmessgeräte generieren unbefriedigende Ergebnisse. Das unter Denkmalschutz stehende Haus beweist seine Alterskraft durch Zwischendecken aus Holz, Lehm und Strohmatten. Sie sind Schwämme, die sich vollgesogen haben. Holzsprossenfenster zeigen Zerfallserscheinungen, an den Türen bröckelt der Lack der Jahrzehnte ab.

Natürlich: Wir sind ja versichert. Elektronik-, Inhalt (so heißt der Hausrat in einem Büro) und Betriebsunterbrechung stehen in den Policen der Gesellschaft, die sich werblich gern mit Klartext profiliert. Jetzt beginnt der Kampf ums Kleingedruckte. Der Vermieter bietet Mietpreisminderung, die Bank Kredite, wenn’s klemmen sollte.

Verglichen mit Naturkatastrophen, bei denen in der Regel minder bemittelte Menschen millionenfach Hab und Gut verlieren, geht es uns gut. Wir verlernen das Klagen, freuen uns über kleine Fortschritte und treten hoffnungsfroh jeden Morgen wieder an. Die erste Woche nach dem Gau ist abgehakt. Weitere Wochen der Trocknung und Renovierung werden folgen. Was bleibt, ist Hoffnung. Wir geben nicht auf!

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Jahresrückblick 2011: ein Jahr der Experten

Fraglos bot das hinter uns liegende Jahr eine Fülle von Anlässen, deren Aufzählung manchen Rahmen sprengt. Die TV-Sendungen sind voll davon. Sie überschlagen sich mit Katastrophen, Krisen, Neuwahlen, politischen Eskapaden, Skandalen und Nichtigkeiten. Alles gipfelt letztlich in den täglichen Talkshows, die besetzt sind mit den üblichen Verdächtigen. Sie ringen um Antworten auf die ständig wiederkehrenden Fragen, schlagen verbale Volten und reden sich um Kopf und Kragen. Das Jahr 2011 passt nun mal in keines der üblichen Schemen, die uns in den vergangenen Epochen so gern mit fertigen Lösungen aus der Schatulle voller Patentrezepte beruhigten. Einschließlich der staatstragenden Neujahrsansprachen, deren Konserven folgenlos auch schon mal verwechselt wurden. Es passte eben immer.

Man darf den Medienschaffenden sicher nicht unterstellen, dass sie nicht ahnten, wie schwer die aktuellen Ereignisse mit ihren Auswirkungen auf die nahe, mittelfristige und langfristige Zukunft einzuordnen sind. Flugs entschlossen sich die Redaktionen, ihren Frontfrauen und -männern auf den Bildschirmen fachkundige Experten an die Seite zu stellen. Vorreiter dieses Trends mag die Sportberichterstattung sein. Diese Mutmaßung darf historisch unpräzise sein. Sie zeigt aber, dass sich der häufig verbal verklausulierte Sachverstand durchaus als Stütze der eigenen Deutungshoheit eignet.

Für das Jahr 2011 boten sich gefühlte tausend Gelegenheiten, den Humus für die Berichterstattung durch eine Unzahl von Experten anzudicken. Die Kernschmelze in Fukushima förderte Hundertschaften auf den Schirm, die nicht zur Aufklärung beitragen konnten. Die nicht enden wollende Euro-Krise schuf geradezu grenzenlose Plattformen für Sachverstand ohne greifbare Ergebnisse. Der arabische Frühling rückte nie gesehene Kenner ins Licht, die durch Nichtwissen brillierten. Afghanistan, Irak, Iran, Palästina: Scherbenhaufen, die trotz wort- und bildreicher Erklärungen nur noch Experten glänzen ließen. Und jetzt noch die weltbewegende Krise der Reichen aus Osnabrück, die unserem Präsidenten freundschaftlich verbunden sind. Wie herzzerreißend, dass es auch hierfür die Expertenrunden in den Talkshows gibt.

Dieses sich immer schneller drehende Hamsterrad der medialen Niveauregulierung entwickelte sich 2011 zunehmend zum Katalysator der Politikverdrossenheit. Es wirbelte die Unfähigkeit der für die Quellen der Themen Verantwortlichen in überhöhte Sphären, legte Unvermögen zu Lösungen bloß, schleuderte Eitelkeiten zu Boden und katapultierte unser aller Anspruch auf Information in die Tonne. Durch Informationsfülle erdrückt versuchen wir krampfhaft uns der Namen zu erinnern, die uns als Experten doch weiterhelfen sollten. Wir stehen vor dem Burn out, ringen nach Luft und fassen es nicht mehr. Stresstest als das Wort des Jahres 2011 gilt nicht mehr nur für Banken.

Was bleibt, sind die guten Wünsche für das Neue Jahr. Wetten, dass … ach ja, hier fehlen noch die Experten, von denen viele bereits abgesagt haben, ohne gefragt worden zu sein. Das sollte Schule machen. Viele wären gut beraten, sich nicht als Experten ins Rennen ziehen zu lassen. Sollen doch die TV-Verantwortlichen zusehen, in welche Formate sie ihre vielen Nullinformationen im kommenden Jahr schnüren. Zu berichten wird es wieder viel geben. Mein Expertentipp: Man muss ja nicht alles sehen.

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Lesen, verstehen und schreiben: Sogar für Journalisten eine lästige Plage

Im Zeitalter des Webs 2.0 scheint Lesen zum Problem zu werden. Für Kinder und Jugendliche sowieso. Aber, dass es jetzt schon gestandene Journalisten nicht mehr schaffen, einen Text bis ans Ende zu lesen, um daraus ein halbwegs verständliches Eigenprodukt zu kreieren, das wundert mich dann doch. Offensichtlich wird es immer schwieriger, mehr als drei Zeilen eines Textes aufzunehmen und sinnvoll zu verarbeiten. Wenn sich diese Tendenz durchsetzt, dann muss man künftig doch ein großes Fragezeichen an all die vielen Informationen setzen, die die Medien tagtäglich verbreiten. Wir jedenfalls wurden Opfer unserer eigenen PR-Arbeit und das, obwohl der Text für Grundschüler zu verstehen ist, eine Kurzfassung folglich kein Problem sein sollte.

Weit gefehlt. Aus vier Seiten Text oder 8.100 Zeichen über unsere 40-jährige Agenturtätigkeit resultierten zwei Kurzmeldungen, die einem die Haare zu Berge stehen lassen. Eine kurze Online-Meldung verdrehte die Fakten komplett und verstümmelt sie bis zur Unkenntlichkeit. Aber damit nicht genug. Heute las ich, dass unsere Agentur im Jahr 1072 gegründet wurde, wobei die Angabe, ob vor oder nach Christus leider fehlte. Donnerwetter! Mag ja sein, dass in der Blüte des Rittertums und des Minnesangs sowie in der Epoche der Kreuzzüge erste Tendenzen von PR-Aktivitäten auszumachen sind. Journalisten bezeichnen unsere Zunft ja auch schon mal gerne als PR-Rittertum. Aber verehrte Damen und Herren Journalisten, auch wenn wir schon so alt aussehen, wir sind es noch nicht. Na gut, vielleicht ist aus der „9“ ja nur versehentlich eine „0“ geworden. Kann ja passieren. Richtig, kann, aber nicht, wenn es damit weitergeht, unseren Firmennamen komplett zu versaubeuteln. Die Namen der Damen, die den Agenturgründer auf dem Foto umgeben, wurden ebenfalls verschandelt. Und der Begriff “Damen“ klingt auch etwas mittelalterlich. Meine Kollegin und ich arbeiten in dieser Agentur und haben feste Aufgabengebiete. Dass wir darüber hinaus auch Damen sind, bietet dem geneigten Leser keinen wirklichen Informations-Mehrwert. Vielleicht wäre die Bildzeile „Die gut konservierten Gründungsmitglieder von 1072“ passender gewesen?

Mein Fazit nach der Lektüre frei nach Loriot: Wir heißen alle Heckenbruch-Schmand-Haunemann und gründeten vor 940 Jahren zusammen mit den Damen eine PR-Boutique in Wuppertal. Der Papst ist diesmal nicht dabei, dafür aber der Segen der Branchenpostille, der uns hoffentlich noch bei weiteren PR-Kreuzzügen unterstützt.

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Starke Bilder fesseln

Wir träumen in Bildern, erinnern uns in Bildern, orientieren uns durch Bilder, entscheiden anhand von Bildern. Bilder sprechen an und Bilder fesseln. Die Durchschlagkraft von Bildern – seien es Bilder in unseren Köpfen oder sichtbare Reize in Hochglanzgazetten oder Prospekten – ist unbestritten. In Zeiten von Social Media ist die Bildkommunikation das Medium, um Informationen zu transportieren. Umso erstaunlicher ist es, dass Unternehmen die optische Darstellung in ihrer Kommunikation immer noch vernachlässigen. Vor allem die visuelle PR ist ein Mauerblümchen, das dringend ins Rampenlicht gehört.

Von lieblosen, unprofessionellen Produktfotos über schlechte, von Mitarbeitern geknipste Portraits bis hin zu antiken Fotos vom Firmensitz oder Werbefotos mit Logo reicht das Repertoire, das Firmen ihren PR-Agenturen anbieten und dabei nicht den leisesten Zweifel hegen, dass das Firmenimage durch eine solch unvorteilhafte Außendarstellung beschädigt werden könnte. Auch die PR-Agentur setzt mit schlechten Fotos ihren Ruf aufs Spiel. Schließlich sind in Agenturen Profis am Werk, die wissen sollten, was die visuelle Kommunikation ausmacht. Wissen sie auch, aber beim Auftraggeber versiegen Argumente im grenzenlosen Wahn von Kostenersparnis. Das Resultat: Unzufriedenheit in den Redaktionen, Frust bei der PR-Agentur, die sich nicht gerade selten für einfallslose und dilettantische Fotos bei den Redaktionen entschuldigen muss und Verwunderung beim Kunden, warum das tolle Produkt nicht die Aufmerksamkeit der Medien auf sich zieht. „Ein Bild sagt mehr als tausend Worte“, klingt abgedroschen, besagt aber alles – im positiven, wie im negativen Sinn. Ein Unternehmen, welches nicht bereit ist, in Bilderwelten zu investieren, hat kaum Chancen, auf der Wahrnehmungswelle zu surfen.

Bilder nehmen wir schneller als Texte wahr; dabei verarbeiten wir sie mit relativ geringer gedanklicher Beteiligung. Wir speichern sie so ab, dass wir uns auch noch nach Tagen an komplette Bilderalben erinnern. Nicht umsonst arbeiten Gedächtnistrainer mit Bildern. Sie sind der Code, um sich Zahlen, Namen und wichtige Informationen zu merken. Außerdem ist der Erlebniswert von Bildern hoch: Bilder emotionalisieren, Bilder wecken innere Bilder, Bilder berühren. Deswegen erfordern PR-Bilder exakt das Know-how, die Qualität und die Präzision, die Unternehmen auch bei ihrer Produktentwicklung einsetzen. Warum wird die Wirkung von PR-Bildern so häufig unterschätzt? Glauben Unternehmen, dass sich eine aufwendige Dramaturgie nur für die Werbung lohnt?

Ganz offensichtlich hat das Invest in Werbemaßnahmen einen höheren Stellenwert. Und der Glaube, die tollen und teuren Werbefotos ließen sich sozusagen als Abfallprodukt für die PR zu nutzen, ist tief in den Köpfen der Marketingleute verankert. Nur so lässt es sich erklären, dass immer wieder kurz vor Pressekonferenzen, Messen oder sonstigen Presse-Events wahllos Megabite-schweres Prospektmaterial per E-Mail oder via FTP-Server durch den Äther gejagt wird. Das Öffnen der Dateien dauert Minuten und treibt in den Wahnsinn. Das Bild, welches sich schließlich in Slow Motion öffnet, ist eine einzige Katastrophe – im Sinne der PR, weil Werbeaussagen eben nur in Anzeigen ihren Platz haben.

Viele Unternehmen scheinen immer noch überzeugt davon zu sein, dass es Aufgabe der PR ist, Informationen in Texten zu vermitteln, hingegen die Werbung durch Bilder Emotionen wecken soll. Bei dieser einseitigen Sicht bleiben die Möglichkeiten der visuellen PR völlig unterbelichtet. So wie ein Bild emotionalisieren kann, kann es auch informieren. Das gilt übrigens auch für den Text, der ebenfalls über die Information hinaus, Emotionen wecken kann. Der Schlüssel zum wirkungsvollen Zusammenspiel zwischen Text und Bild liegt in der sinnvollen Kombination der Instrumente, indem das Bild die Textaussage überzeugend darstellt. Ein gut gemachtes PR-Foto transportiert die Aussage mit Nachdruck und wirkt glaubhaft.

Bilderwelten bestimmen den Kommunikationserfolg entscheidend. Dazu müssen Unternehmen kompromisslos eine auf die Anforderungen ihrer PR zugeschnittene Bildsprache entwickeln. Inspirierende Bildideen, professionelle Umsetzung und mediengerechte Aufbereitung bieten einen Vorteil im harten Wettbewerb mit hunderten von Fotos, die täglich die Redaktionen erreichen. Wer es schafft, das Bild als attraktiven Köder zu positionieren, punktet medial und transportiert seine Kernbotschaften zu den Zielgruppen. Denn starke Bilder fesseln und bieten genau den Wert und Mehrwert, auf den es in der Berichterstattung ankommt.

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Küchen ganz groß

Die Stimmung für Küche und Kochen ist gut. Der Küchenherbst in Ostwestfalen wirft seine Schatten voraus. Wie sehen die neuen Küchen aus? Welche Farben und Oberflächen bestimmen die Küchencouture? Welche Accessoires sind trendy und mit welchen technischen Raffinessen trumpft die Einbaugeräteszene? Spannende Fragen, auf die die Küchenmeile A30 und die area30 vom 17. bis 22. September Antworten geben.

Fakt ist: Die Küche ist ein Lifestyleprodukt. Sie entwickelte sich zum neuen Salon des 21. Jahrhunderts. Der mehr oder weniger fließende Übergang in den Wohnbereich macht Küchen zu Bühnen für social events, die inspirierende Kocherlebnisse und Kommunikation garantieren. Küchen sind Zentren der Geselligkeit, Treffpunkt für Familie und Freunde und nicht zuletzt Hobbyräume, in denen kochende Leidenschaften gelebt werden können.

Perfekter Look und abgestimmte Funktionen sind natürlich gefragt. Denn schließlich muss die Küche gut in Form sein, damit sie den Multitasking-Anforderungen entspricht. Klare Linien dominieren. Die Küche wird zunehmend in die Wohnraumplanung mit einbezogen, so dass der Tisch häufig als Bindeglied zwischen Kochen und Essen fungiert. Koch- respektive Vorbereitungsinseln unterstreichen den kommunikativen Charakter. Insgesamt soll die Küchenoptik jedoch soweit wie möglich in den Hintergrund treten. Dabei helfen immer raffiniertere Oberflächen, die sich mit ihren variantenreichen Dekoren dem Wohnbereich perfekt anpassen können. Naturstein, Glas, Beton nicht nur für Arbeitsplatten, sondern auch für Küchenfronten spielen in modernen Küchen ebenfalls eine wichtige Rolle. In die Küchenarchitektur integrierte Lichttechnik inszeniert Lichtstimmungen, die in keiner Küche mehr fehlen dürfen. Oberschränke mit Lichtböden, beleuchtete Regalböden, Sockellichtleisten, Nischenbeleuchtungen kreieren unterschiedliche Lichtszenarien: vom direkten Arbeitslicht auf der Arbeitsplatte bis zur indirekten Beleuchtung, die den Wohnraum Küche akzentuiert.

Und hinter den Fronten trumpft die Funktion. XXL-Vollauszüge in Unterschränken bieten Übersicht und komfortabel nutzbaren Stauraum. Dabei gehört das leise Schließen zum Standard. In intelligenten Inneneinrichtungssystemen lagern Vorräte komfortabel und leicht zugänglich, wobei das individuelle Ordnungsprinzip dank flexibler Systeme oberste Priorität hat. Im Oberschrankbereich wird geklappt und gefaltet – dank integrierter Dämpfung lautlos, was zu weniger Stress bei der Küchenarbeit führt.

Bei den Geräten überzeugen Hightech-Funktionen. Kochen wie die Profis lautet das Motto für Backöfen, Kochfelder und Dunstabzughauben. Kühlschränke denken mit, Geschirrspülmaschinen arbeiten flüsterleise. Mit intelligentem Zubehör verwandeln sich Spülen zu Arbeitsflächen. Armaturen sind in alle Richtungen schwenkbar und bieten viele stylische Extras. Dabei schwebt der Trend zur Energieeffizienz und Nachhaltigkeit über allem.

Ja, es brutzelt und brodelt in Deutschlands Küchen. Schade nur, dass die tollen Innovationen, intelligenten Funktionen und stylischen Looks immer nur in üppigen Küchenarrangements zu bewundern sind. Messestände haben viel Platz und auch die Kataloge der Küchenmöbelhersteller nutzen Raum verschwenderisch, wovon die meisten Küchenkäufer nur träumen können. Warum zeigen die Hersteller nicht, dass auch der Wohnraum von Otto-Normal-Verbraucher nicht auf den Genuss Küche verzichten muss? Schließlich steckt im kleinen Grundriss doch genau das kreative Potenzial, mit dem sich Küchenhersteller profilieren und möglicherweise sogar differenzieren können. Emotion, Erlebnis und Funktion müssen auch in kleinen Küchen verführen. Das zu visualisieren könnte doch eine spannende Aufgabe für die Zukunft sein. Damit inspirierende Zutaten für „normale“ Küchengrundrisse nicht nur aus dem Ikea-Katalog winken.

Ob der Nabel der Küchenwelt in OWL nur Gigantismus zeigt oder auch kleine, aber feine Küchenszenen, für anspruchsvolle Kleinraum-Küchenkäufer? Ich bin gespannt und hoffe, dass vielleicht der ein oder andere Küchen(t)raum die Realität einer mehr oder weniger durchschnittlichen Küche abbildet. Das würde meine Kochlust enorm beflügeln.

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Rettet „STAMPIT“! Wie ignorant die Deutsche Post AG reifes Obst vergammeln lässt

„Schade, schade, da hat man endlich mal ein problemloses, effektives und flexibles Tool … und dann wird das eingestellt“, schreibt ein enttäuschter „STAMPIT“-Kunde in einem Internetforum. Und 65 weitere Beiträge allein in diesem Forum zeugen ebenfalls von Verwunderung und Ratlosigkeit.

„STAMPIT“ ist die Frankiersoftware der Deutschen Post AG, die beim Versenden klassischer Briefe nicht nur Arbeitserleichterung, sondern auch Materialeinsparungen verschafft. Auch wir als PR-Agentur nutzen sie. Nach einigen Startschwierigkeiten funktioniert die Software einfach und reibungslos. In unserem Redaktionssystem erstellen wir aus einer sehr umfangreichen Datenbank den entsprechenden Adressverteiler. Mit einem Klick können wir daraus entweder Serienbriefe oder Etiketten in Word generieren. Ein weiterer Klick in Word auf den „STAMPIT“-Button fügt passend in Brief oder Etikett unser Agenturlogo und den korrekten Frankierwert ein. Ausdrucken, fertig.

Zum 30. September kündigt die Deutsche Post AG ihre Softwarelizenzen für „STAMPIT“ und stellt als Alternativen die „INTERNETMARKE“ und das E-Porto Add-In vor. Beide Möglichkeiten bieten aber weder eine Schnittstelle zu unserem Redaktionssystem noch eine Chance, das Firmenlogo in die Frankierung zu integrieren. Was bleibt, ist die Möglichkeit, Briefmarken auf Etikettenbögen auszudrucken und so – schlicht und allgemein wie sie dann sind – in einem zusätzlichen Arbeitsschritt auf den Umschlag zu kleben. Erinnerungen an geleckte Briefmarken werden wach.

Wir haben Widerspruch gegen die Kündigung eingelegt, mit dem Ergebnis, dass die Deutsche Post in einer Standardmail ihr Kündigungsschreiben wiederholt. Da wir laut Internetrecherche nicht die einzigen sind mit derartigen Problemen, haben wir auf Facebook die Gruppe „Rettet STAMPIT“ gegründet, in der Hoffnung, dass die Macht des Kunden die Ignoranzmauer des Konzerns brechen und hervorragend gereifte Produkte am Markt halten kann.

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50+: Als Konsument kreativ geclustert, als Mensch elegant ausgemustert

In der 09/11-Ausgabe des Zukunftsletter http://www.zukunftsletter.de/aktuelle-ausgabe.html liest man unter der Überschrift „3 Gründe, warum Frauen jenseits der 55 erhebliches Zukunftspotenzial haben“ über die tollen Chancen dieser Gruppe. Das Gelesene bringt mich ins Grübeln. Bin ich jetzt trendy oder nicht? Denn ich frage mich, was mir der Autor mit seiner Einschätzung, „Frauen 55 plus werden in den kommenden Jahren in unserer Gesellschaft ein Comeback feiern“ eigentlich sagen will. Wenn ich durch meine angebliche Kaufkraft ins Visier der Marketingstrategen gerate, ist das ja ganz nett und durchaus legitim, aber davon profitieren im Zweifelsfall nur die Marketingstrategen und deren Auftraggeber. Was habe ich davon, wenn man mir Kompressionsstrümpfe – natürlich modisch aufgepeppt – statt der geliebten Netzstrümpfe anbietet? Welchen Lustgewinn bringt mir eine Kreuzfahrt, die sich meine Altersklasse nach Meinung der Strategen locker leisten kann, für die ich mich aber immer noch nicht „reif“ genug fühle? Oder wie wär’s mit einem Blutdruckmessgerät, welches mich ebenso wenig reizt, wie die kaum Erfolg versprechenden Anti Aging Produkte der Kosmetikindustrie? Mag sein, dass ich zu der neuen „Konsumentenmehrheit“ gehöre. Aber auch eine Mehrheit setzt sich ja meistens aus sehr heterogenen Gruppen oder Individuen zusammen, die sich nicht über fixe Lebensmuster aufgrund ihrer Altersstruktur oder einheitliche soziale Milieus definieren lassen.

Das haben natürlich auch die Marktforscher erkannt. Folglich scheren sie die Best Ager nicht mehr über einen Kamm, sondern pressen sie in neue Sortierkriterien, die dann „Greyhopper“, „Super-Grannys“ oder „bodenständiger Neustarter“, „rastloser Rumtreiber“ oder – ganz besonders hübsch – „Altersleugner“ heißen. Hoffentlich erklären die Marketer den Damen und Herren, die das Produkt am Point of Sale an die Frau oder den Mann bringen sollen, gut, woran man erkennt, um welchen 50-Plusler-Typ es sich im Verkaufsgespräch handelt. Ich jedenfalls fühle mich ziemlich veralbert, obwohl ich doch als Konsument schlicht und ergreifend nur ernst genommen werden möchte. Das wollte ich schon mit 20 Jahren ebenso mit 30 und 40 und natürlich auch mit 50. Es hat also kaum etwas verändert, außer dass ich ganz normal älter geworden bin. Oberflächlich betrachtet stimmt das, aber hört man sich in seiner Altersklasse mal um, trügt der schöne Schein. Denn das Umwerben der sogenannten Best Ager mit fantasievollem Marketinggeschwafel kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass alle diejenigen, die im biblischen Alter von 50+ einen Job suchen, systematisch ausgemustert werden.

Spätestens dann wollten Unternehmen mit „Super Grannys“, „Greyhopper“ & Co. nichts mehr zu tun haben. Anstelle schöner Begriffe rückt die Realität: in Gestalt eines leibhaftigen 50-jährigen Menschen, bestens ausgebildet, mit viel Erfahrung, engagiert – aber leider viel zu alt. Natürlich sagt das keiner, denn auf elegantes Wording setzen mittlerweile auch Personalabteilungen. Von einem „2. Aufbruch“ oder einem „Comeback“, wie der Zukunftsletter-Autor schreibt, ist dann wenig zu spüren. Das macht auch nichts, denn der Autor zurrt ja das „Alleinstellungsmerkmal in der alternden Gesellschaft“ am Beispiel Kanada fest, wo Frauen jenseits der 55 Jahre die am schnellsten wachsende Bevölkerungsgruppe mit Blick auf die Beschäftigung sein soll. Super! In Deutschland ließe sich vermutlich nicht mal als 55-jährige Putzfrau ein Comeback feiern. Aber darum geht es wohl auch nicht. Eigentlich schade, denn schließlich lassen sich neue Konsumbedürfnisse nur auf Basis einer gesicherten Existenz erzeugen. Ohne Moos ist bekanntlich nichts los, und so bin ich ziemlich gespannt, wie lange die Generation 50+ als Marktmacht noch trendy ist. Denn das andere Szenario, das die Medien bisweilen ebenfalls beleuchten, heißt: arm, alt und arbeitslos.

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Berufliche Weiterbildung in Social Media

Social Media, digitale Medien und Technologien, die es Nutzern ermöglichen, sich untereinander auszutauschen und mediale Inhalte einzeln oder in Gemeinschaft zu gestalten, gewinnen zunehmend an Bedeutung und wandeln mediale Monologe in sozial-mediale Dialoge. Was Wikipedia einfach definiert, scheint für Unternehmen oft schwer anwendbar. Zu unübersichtlich die Masse an Social Media Plattformen, zu schnell die Entwicklung in diesem Bereich, zu eingefahren die Unternehmensstrukturen, zu groß die Unwissenheit und zu zahlreich die Ängste. Das alles steigert das Risiko, dass Chancen ungenutzt bleiben. Wer mitziehen will, muss sich weiterbilden.

Als erste Adresse trat – auch für uns als unternehmensberatende PR-Agentur – die Social Media Akademie (SMA) ins Blickfeld. Hier tummelt sich das Who-is-who der Branche: Der Kommunikationsberater Klaus Eck, dessen PR-Blogger.de seit mehr als sieben Jahren der erfolgreichste deutsche Fachblog zur Online Kommunikation ist, der Rechtsanwalt Dr. Carsten Ulbricht, der Mandanten weltweit in allen Rechtsfragen des E- und Mobile Commerce sowie zu allen Themen im Bereich Social Media berät, internetbasierte Geschäftsmodelle prüft und der in seinem Weblog zum Thema „Web 2.0, Social Media & Recht“ regelmäßig über neueste Entwicklungen in der Rechtsprechung berichtet, oder Dr. Benedikt Köhler, ausgewiesener Spezialist für Marktforschung in den nutzergenerierten Medien, um nur einige zu nennen.

Bei der SMA lernt man als Einsteiger oder Professional alles über das weite Feld Social Media. Es gibt Kurse, die zum Community Manager oder zum Social Media Manager ausbilden oder bei der Entwicklung von Social Media Marketingstrategien helfen. Bereits im letzten Jahr absolvierte die Kollegin Cornelia Hackenbruch hier den Basis Lehrgang Social Media, letzte Woche beendete ich den Lehrgang „Corporate Social Media“, der befähigen soll, Kunden auf diesem Gebiet strategisch zu beraten.

Acht Mal um 18 Uhr loggte ich mich mit bei der Social Media Akademie ein, um die Vorlesungen zur Strategieentwicklung und -implementierung, zu Targeting, Monitoring und Erfolgsmessung, zu Krisenkommunikation und Reputationsmanagement, zu Social CRM, Social Media Policy und Enterprise 2.0 zu verfolgen. Der Clou: Weil die Vorlesungen aufgezeichnet sind, steht der Referent parallel im Chat zur Verfügung, in dem man sich noch dazu mit allen Teilnehmern rund um den Globus unterhalten kann. Alle Vorlesungsunterlagen stehen zum Download für das Selbststudium auf der Lernplattform bereit. Und damit man das Gelernte auch gleich anwenden und diskutieren kann, gibt es in den bekannten Online-Communities Gruppen und Foren. Lehrgangsleitung und Tutoren beantworten organisatorische und inhaltliche Fragen.

Die Geschäftsidee ist genial – eigentlich

Wären da nicht die Tücken des Alltags, der Technik und – nach nicht einmal zwei Jahren – auch und vor allen Dingen der Routine. Von der nach eigenen Worten „führenden Akademie zur beruflichen Weiterbildung in Social Media“ erhielt ich auf meine Frage bei Anmeldung kein Feedback. Fehlende oder zu spät gelieferte Chatprotokolle widersprachen einem weiteren Social Media-Dogma: „Schnelligkeit geht vor Perfektion“. Darüber hinaus kam es vor, dass ein Dozent im Chat gerade bei einem schwer verdaulichen Thema nicht anwesend war und die Vorlesung wiederholt werden musste. Teilnehmer beklagten sich darüber, dass Unterlagen nicht herunter geladen werden können oder die Vorlesung nicht bei allen parallel abläuft.

Und auch der Clou der SMA-Lehrgänge, die aufgezeichneten Vorlesungen, entpuppten sich nach genauerem Hinsehen allein als Vorteil für die Akademie. Sie kann das „Wissen aus der Konserve“ beliebig oft in die Lehrgänge einbauen, und zugleich können mehrere Lehrgänge ein und dieselbe Vorlesung verfolgen. Das führt bei Teilnehmern nicht nur zu Dejà-vu-Erlebnissen, sondern sorgt auch im Chat für Chaos. Weiterer Nachteil: Es kommen immer wieder dieselben Beispiele der Big Player als Best Practice zur Sprache. Erfahrungen mit KMU haben offenbar auch die Social Media Spezialisten noch nicht gemacht.

Der Vergleich zum Basis Lehrgang Social Media offenbarte auch, dass die Bewältigung der Lernaufgabe bei Cornelia Hackenbruch noch wirklich auf Social-Niveau stattfand, während ich mir vorkam wie ein „lone wolf“. Bahnte sich einmal ein Kontakt an, dann nicht aufgrund inhaltlicher Diskussionen, sondern wegen organisatorischer Fragen. Das lässt auf mangelnde Unterstützung durch die Lehrgangsleitung schließen, die sich mit verräterischen Standardformulierungen in  Lehrgangsauschreibung und -unterlagen und mit nur vier von 13 angekündigten Kursnachrichten in meinen Augen keine Lorbeeren verdient hat.

Zurzeit warte ich auf mein Testergebnis und das Abschlusszertifikat. Ich habe ein gutes Gefühl, denn letztlich habe ich viel gelernt. Offen bleibt aber bis zur ersten praktischen Bewältigung einer Kundenanfrage, ob mich der Lehrgang tatsächlich zur Beratung befähigt. Zwar bescheinigt ein Kommilitone, dass meine Analyse des Social Media Engagements der Schneeweiss AG Interior „schon fast als ‚Blaupause’ für ein Beratungsmandat dienen“ könnte, aber ein weiteres Feedback von einem der Experten wäre hilfreich gewesen – oder steht noch aus.

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Applikationen: Von zu Tode betrübt bis himmelhoch jauchzend

Applikation, Anwendung, Substantiv, feminin. Das sagt der Duden, und für manchen Mann wäre allein wohl schon die Geschlechtsangabe Grund genug zu behaupten, dass es dann ja schon mal nichts werden kann – mit der Anwendung.

Nach einem Tag vergeblicher Versuche, unseren Blog mit einem eigenen Tab in unsere Facebook-Fanpage zu integrieren, waren selbst wir Frauen kurz davor, ins frauenfeindliche Lager zu wechseln. Wir durchwanderten das gesamte Repertoire der negativen Gefühlslagen. Zuerst war es nur Unverständnis wegen fehlender Anleitungen, später gesellte sich Wut hinzu über die offenbar notwendige Freigabe weitgehender Zugriffsrechte auf die Privatsphäre. Komplizierte und langwierige Verifizierungsprozesse sowie mangelnder Support ließen uns verzweifeln und schließlich resignieren.

Bis heute Morgen die Agentur 247Grad verkündete: „TABMAKER RSS ONLINE! Jetzt kannst du deinen Web-Log in deine Fanpage integrieren. Einfach auf http://on.fb.me/ocmO0O gehen und den neuen TABMAKER RSS deiner Facebook-Page hinzufügen. Wie gut gefällt dir der neue TAB?:-)“

Wie uns der Tab gefällt? Super! Klasse! Einmalig! Einmal davon abgesehen, dass die Anwendung in deutscher Sprache programmiert ist: Sie ist auch für Laien intuitiv bedienbar, schnell der Seite hinzugefügt und bietet sogar mit dem Hochladen von Kopf-, Fuß- und Hintergrundgrafiken oder der Wahl von Schrift- und Hintergrundfarbe individuelle Gestaltungen. „Tabmaker RSS“ wird ihrer Funktion als Anwendung und darüber hinaus deren Synonymen voll gerecht: Benutzung, Einsatz, Gebrauch, Nutzung, Verwendung.

Fazit: Wir sind doch sehr froh, dass das Wort Anwendung weiblich ist. Uns erfüllt nun aber vor allen Dingen Stolz, dass wir es doch geschafft haben, unseren Blog in die Facebook-Fanpage zu integrieren, und wir empfinden tiefe Dankbarkeit für die Macher bei 247Grad.

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Füller statt Knüller: der Superlativ

Wenn die Falle zuschnappt

Als ich als Schreiberling in die PR-Branche einstieg, gab es ein ganzes Regelwerk zu beachten. Anschaulich schreiben, Verben statt Substantive, die W-Fragen gleich im ersten Absatz beantworten, keine Proustschen Sätze bilden, unnötige Fremdwörter und Floskeln vermeiden – soweit einer kleiner Überblick über die Don’ts. Die oberste Maxime lautete: „Superlative sowie Werbesprüche gehören nicht in einen guten PR-Text.“

Dass eine gute Pressemitteilung journalistisch sauber formuliert sein sollte und folglich ohne sprachliche Schaumschlägerei auskommen muss, lernte ich sehr schnell. Schließlich geht es darum, dass Presseinformationen nicht im allgemeinen Informationsmüll der Redaktionen versumpfen. Allerdings wollten und wollen das Kunden leider nicht immer begreifen. Viele Kämpfe müssen gefochten werden und so manches Mal gibt man sich zähneknirschend geschlagen. Denn nur mit dem plumpen Superlativ und dem neuen Claim, für den die Werbeagentur ja schließlich viel Hirnschmalz investiert hatte und der – so mein Eindruck – für Geschäftsleitung und Marketing wichtiger als das Produkt selbst ist, erhalte ich die Freigabe. Texte mit solchen „Verschlimmbesserungen“ schmeicheln zwar den Auftraggebern, missfallen aber den Redaktionen mit der Konsequenz, dass bei Veröffentlichung alle Superlative dem Rotstift zum Opfer fallen. Gut so, denn Superlative und Marketing-Bla-Bla gehören in die Kategorie Wörterverschwendung.

Allerdings scheinen die Redaktionen mit zweierlei Maß zu messen. Während vom Auftraggeber gewollte Superlative in meinen Texten knallhart herausgefiltert werden, scheint das Qualitätsmanagement der Fachfrauen und -männer in den Redaktionsstuben bei vielen Kollegen-Presseinformationen zu versagen: Superlative en masse; zuweilen entgehen den „strengen“ Redaktionen sogar penetrante Wiederholungen ein und desselben Adjektivs, natürlich immer in seiner höchsten Steigerungsform. Woran liegt das? Schaltet der Auftraggeber der Kollegenagentur mehr Anzeigen? Beschäftigt er eine Inhouse-PR, deren schöpferische Ergüsse in den Redaktionen auf mehr Wohlwollen stoßen? Ein Schelm, wer dabei an fette Anzeigenaufträge denkt.

In vielen Umfragen zur Pressearbeit wünschen sich die Journalisten mit Blick auf das Wording der Pressemitteilungen, dass PR-Agenturen nicht Diener, sondern Berater der Auftraggeber sind. Will heißen: Nicht so zu schreiben, wie es sich der Auftraggeber wünscht, sondern den Kunden zu erklären, was bei der (Fach)Presse ankommt. Wenn das so ist, verwundert der inflationäre Gebrauch des Superlativs in Fachmagazinen umso mehr. Die höchste Steigerungsform deutet nun mal einen beschränkten Erfahrungshorizont dessen an, der sie benutzt. Weil es so ist, kämpfe ich dafür, dass aus dem Lieblingskind so mancher Auftraggeber ein Stiefkind wird. Warum allerdings Journalisten mit ihren hohen Ansprüchen an PR-Agenturen immer wieder bereit sind, vor ihren Lesern bedenkenlos die Hosen herunter zu lassen, indem sie plumpe Superlative kritiklos übernehmen, verstehe ich nicht. Denn argumentative Kompetenz und Kreativität sollten nicht nur für PR-Agenturen gelten, sondern auch für Fachblätter selbstverständlich sein.

Ich jedenfalls bin froh, wenn der Rotstift den Superlativ ausmerzt. Denn Übertreibungen wirken hilflos, plump und wenig kompetent. In der (Fach)Presse haben sie nichts zu suchen.

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