Warum eigentlich nicht Kinderinnen? Die Mär von der Gleichstellung durch Sprache

Neulich kurz vor Mitternacht. Noch einmal kurz die Nachrichten hören und dann in die erste Phase des Tiefschlafs gleiten. Kaum hatte die nächtliche Radiostimme die erste Meldung verlesen, riss mich die hässliche Wortdoublette Steuerzahler und Steuerzahlerinnen gleich wieder unbarmherzig aus Morpheus‘ Armen. Sollte mir das Steuerzahlen jetzt mehr Freude bereiten oder warum insistierte die Redaktion – man könnte auch schreiben die Redakteurin oder der Redakteur – auf das Wiederholen des Wortes mit femininer Endung? Mir gehen schon die vielen Bürger und Bürgerinnen, Freunde und Freundinnen, Genossen und Genossinnen, Wähler und Wählerinnen, Kunden und Kundinnen kräftig auf den Geist. Jetzt auch noch Steuerzahler und Steuerzahlerin. Allein die Wortwiederholung mit femininer Endung macht den Akt des Steuerzahlens für Frauen auch nicht angenehmer. Dem Bund der Steuerzahler ist der Weckruf zur nächtlichen Stunde hoffentlich nicht entgangen. Denn eine Umbenennung in Bund der Steuerzahler und Steuerzahlerinnen ist jetzt eigentlich unumgänglich. Halt, stopp, falsch. Natürlich muss es heißen: Steuerzahlerinnen und Steuerzahler. Vielleicht könnte eine solche Charme-Offensive neue Mitgliederinnen gewinnen, denn die dürften mit und ohne Sprachemanzipation deutlich in der Minderheit sein.

Bei den Soldaten haben die Soldatinnen wohl immer noch das Nachsehen. In den gleichen Nachrichten erwähnte die Radiostimme in einer Meldung über die Bundeswehr nur die Soldaten. Mittlerweile hellwach fragte ich mich: „Wieso eigentlich? Passt die Soldatin nicht in das Klischee, dass die Bundeswehr eigentlich nichts für Frauen ist? Oder hatte die Redakteurin oder die Redakteur jetzt auch bemerkt, wie solche Redundanzen einen Text entstellen und den Lesefluss unnötig hemmen. Ich tippe mehr auf die erste Vermutung. Denn so vehement wie in Deutschland auf die explizite Nennung der maskulinen und femininen Endung bestanden wird, so wenig tut man andererseits dafür, dass Frauen auch tatsächlich gleich behandelt werden, geschweige denn in männlichen Domänen die gleichen Chancen vorfinden, um auf der Karriereleiter nicht mehr Sprossen als ihre männlichen Kollegen erklimmen zu müssen.

Natürlich war ich jetzt angestachelt, den weiteren Nachrichten zu folgen. Da war sicher noch mehr zu entdecken. Und tatsächlich: „Einer muss vorpreschen“ verlas die Radiostimme. Einer, warum nur einer, in unserer von der Emanzipation gekennzeichneten Sprache muss es natürlich heißen: Eine respektive einer müssen vorpreschen. Das ist natürlich subtiler als Bürgerinnen und Bürger, aber wenn schon, dann bitte auch bei den Feinheiten den Text nach den emanzipatorischen Anforderungen konzipieren.

Da lobe ich mir die neue Straßenverkehrsordnung. Diese hat die Feinheiten erkannt und setzt auf Geschlechterneutralität. Verkehrsteilnehmer mutieren zu „die am Verkehr Teilnehmenden“, aus „Radfahrern“ sind „Rad fahrende“ geworden und „Fußgänger“ heißem jetzt „zu Fuß Gehende“ oder „wer zu Fuß geht“. Allerdings ist das Regelwerk nicht durchgängig, denn die zu Fuß Gehenden gehen auch weiterhin über den Fußgängerüberweg. Und den Polizeibeamten gibt es natürlich immer noch (§36). Da wollte den Personen, die Artikel erstellen (Verfassern/Verfasserinnen), keine geschlechtsneutrale Formulierung einfallen. Dabei ist es doch ganz einfach: „die im Polizeidienst stehenden Verbeamteten“. Das ist geschraubt, sperrig, sogar lächerlich und meines Erachtens auch kein Beitrag zu einer gerechteren Welt.

Das modisch progressive Gehabe, Frauen sprachlich in den Vordergrund rücken zu wollen, führt zu Scheußlichkeiten in der deutschen Sprache. Wäre es nicht besser, die realen Bedingungen in unserer Gesellschaft so zu verändern, dass Frauen die gleichen Chancen wie Männer hätten? Werden Ungleichheiten nicht erst dann überwunden sein, wenn niemand mehr es für nötig hält, sie zu betonen? Dagegen lenkt feministische Linguistik nur vom Wesentlichen ab und führt zur Deformation der deutschen Sprache. Durch eine pseudo-weibliche Sprache wird die Gesellschaft nicht gerechter. Sprache wird zum Beruhigungsmittel mit dem Ergebnis, dass Umständlichkeit die Klarheit verdrängt. Populismus statt Sprachästhetik scheint die Devise zu lauten, wobei auffällt, dass besonders Politikerinnen und Politiker der feministischen Linguistik frönen. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Während ich diesen Beitrag schreibe, höre ich in WDR II, dass in der neuen Verfassung der Uni Leipzig nur noch weibliche Bezeichnungen verwendet werden sollen. Eine Fußnote soll darauf verweisen, dass auch Männer mit der weiblichen Form gemeint sind. Auch die Neue Westfälische (5. Juni 2013) bringt eine Kurzmeldung zum Thema. Was immer alles mit weiblichen Bezeichnungen gemeint sein soll, das Ansinnen ist grotesk. Bleibt zu hoffen, dass eines Tages doch noch die Vernunft über progressives Dummdeutsch siegt, sonst könnten Verschlimmbesserungen wie „ die Kinderinnen“ oder vielleicht auch „die Computer“ – wohlgemerkt Singular – aus unserem reichen Sprachschatz ein armes Sprachmonster werden lassen.

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Quo vadis, deutsche Schreibkultur?

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Die Fachfrau für Unternehmenskommunikation berichtet, dass sie auf Xing aufgefordert wurde, einer Gruppe von Social-Media-Experten beizutreten, „deren Plural mit ‚Deppenapostroph‘ (‘s) gebildet ist“.

Ein Ausbildungs- und Beratungsunternehmen für Online-Marketing gibt eine Anleitung zur Suchmaschinenoptimierung von Websites heraus, der der Laie nicht nur aufgrund der schweren Materie kaum folgen kann, sondern auch wegen Fehlern in der Groß- und Kleinschreibung, der Kommasetzung und zahlreichen Buchstabendrehern.

Die Anzeigenverantwortliche einer Fachzeitschrift schreibt an die Kunden: „Nach den Katastrophenjahren haben wir einen ‚so‘ nicht erwarteten Wirtschaftsaufschwung. Wär hätte das gedacht?“

Die „Neue Westfälische“ berichtet am 24. Juli 2012 von einer „studentischen Qualitätskrise“, weil Hochschullehrer über massive Schwächen von Nachwuchsakademikern bei Satzbaulehre, Grammatik und Rechtschreibung klagten. Zudem hätten viele Studenten Probleme mit dem Verfassen korrekter wissenschaftlicher Texte. Es mangele „an der Fähigkeit, selbständig zu formulieren und zusammenfassende Texte zu schreiben“. Ursachen seien teilweise auf gesellschaftliche Prozesse zurückzuführen. Die „Jargonhaftigkeit“ nehme zu. „Es zeige sich außerdem ein schwindender Wortschatz.“

Der Sprachwissenschaftler Jan Seifert sammelte E-Mails, die Studenten in unangemessenem Umgangston und gespickt mit Form- und Formulierungsfehlern an Professoren und Dozenten schrieben. Er hat sie ausgewertet und führt die Fehler darauf zurück, dass Studenten Probleme mit der „Einschätzung der jeweiligen Kommunikationssituation und der Wahl der situationsadäquaten sprachlichen Mittel“ haben. (http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/sprachwissenschaftler-seifert-wertet-e-mails-von-studenten-aus-a-870038.html)

Probleme mit der deutschen Schriftsprache scheinen keine harmlosen Einzelfälle zu sein. Und darum darf die Frage erlaubt sein, ob wir uns ernsthaft Sorgen um die deutsche Schreibkultur machen müssen. Wo führt das hin, wenn bereits der akademische Nachwuchs auffällig wird? Braut sich da „ätwa“ was zusammen, was weitreichende Konsequenzen für die deutsche Sprache und Kultur hat?

Wenn man hört, wie Grundschüler heute schreiben lernen, ist das möglicherweise erst der Anfang. „Varrat varn machd schbas!“ statt „Fahrrad fahren macht Spaß“ schrieben viele Kinder einem Bericht von dapd zufolge in ihre Schulhefte. Der Grund dafür sei, dass an immer mehr deutschen Grundschulen nach der reformpädagogischen Methode „Lesen durch Schreiben“ (LdS) unterrichtet wird. Dabei sollen die Kinder Worte so zu Papier bringen, wie sie sie akustisch wahrnehmen. Korrekturen unerwünscht.

Bei solchen Methoden kann die Rechtschreibung schon mal auf der Strecke bleiben, und wenn auch Hans das nimmermehr lernt, was Hänschen schon nicht lernte, müssen derartige Tendenzen beunruhigen.

Sprachkenner wie Bastian Sick, Axel Hacke oder Wolf Schneider haben ihre Chance erkannt und frühzeitig damit begonnen, Schreib-, Übersetzungs- und Formulierungsfehler zu sammeln, um nicht nur zur allgemeinen Belustigung, sondern auch zur populistischen Sprachbildung beizutragen. Dass ihre Stilblütenbücher es schon in die Bestsellerlisten schafften, zeugt von einem gewissen Bedarf.

Bei Menschen aber, die sich Kommunikationsprofi nennen, hört der Spaß auf. Korrekte Schreibe sollte gerade bei Journalisten zum Selbstverständnis gehören, denn mit dem Beruf verbindet sich auch eine gesellschaftliche Verantwortung. Dabei gilt es, auf der Hut zu sein, denn der Versuchung, sich dem allgemeinen Sprachgebrauch von Lesern anzupassen, weil man verstanden werden und den Stil der Empfänger treffen möchte, ist groß.

Sehen Sie das ähnlich? Sind all die Meldungen tatsächlich drohende Anzeichen dafür, dass die deutsche Sprache als Verständigungsmittel an Wert verliert, oder haben wir es mit Entwicklungen zu tun, die im Rahmen des natürlichen Sprachwandels einfach stattfinden und schon immer unter Journalisten diskutiert wurden? Entprofessionalisiert sich der Journalismus? Sehen Sie sich in der Pflicht, den Tendenzen etwas entgegenzusetzen? Gern diskutieren wir mit Ihnen über dieses Thema.

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Wer hat eigentlich noch Lust auf Weihnachten? Oder: Früher war mehr Lametta

Große Ereignisse werfen ihre Schatten bekanntlich voraus. Und Weihnachten ist ein Event, für das die Vorbereitungen nie früh genug beginnen können. Anfang August musste  ich sprachlos diesem Monolog folgen: „Hast Du schon Weihnachtsgeschenke?“ Doch bevor ich „Weihnachten, wieso Weihnachten“ stammeln konnte, begriff ich, dass dies nur eine rhetorische Frage war. Vielmehr ging es darum, diesen schrecklichen Weihnachtsstress und damit verbunden die Jagd nach den passenden Weihnachtsgeschenken bei 28° C im Schatten, Vogelgezwitscher und üppig blühendem Hibiskus sozusagen jahreszeiten-übergreifend zu entzerren.  „In diesem Jahr hatte ich einfach noch gar keine Zeit, mir Gedanken über Weihnachtsgeschenke zu machen“, plapperte mein Gegenüber munter weiter.  Eigentlich tragisch, dachte ich. Aber gerade, als ich mein tiefes Bedauern zum Ausdruck bringen wollte, setzte sich der Wortschwall der Lehrersgattin fort: „Sonst habe ich immer schon alle Geschenke im Februar, spätestens im März. In diesem Jahr weiß ich gar nicht, wie ich das alles noch schaffen soll.“ Ein tiefer Seufzer und ein staatstragender Gesichtsausdruck untermauerten die Weihnachtstragik im August. „Nur noch fünf Monate bis Weihnachten, und du hast doch tatsächlich noch keine Spur von Weihnachtstress“, mahnte mein durch die Lehrersgattin angestacheltes schlechtes Gewissen.

Einige Monate später, als ich an einem warmen Herbsttag meinen Wocheneinkauf absolvierte, packte mich das blanke Entsetzen erneut. Dominosteine schmolzen in den Supermarktregalen und Nikoläuse ließen traurig ihre Köpfe hängen als wollten sie mir sagen: “Keine Lust auf Weihnachten!“ Wieso das nicht? Es geht doch schließlich nach der Philosophie der Lehrersgattin um Entzerrung. Der Stress wird weniger, wenn man nur früh genug damit anfängt. Als meine Augen schließlich Ende Oktober bei über 20° C von  funkelndem Christbaumschmuck in Schaufenstern geblendet wurden, da wusste ich, dass es auch in den Geschäften einer beschaulichen ostwestfälischen Kleinstadt nur um die wortreich argumentierte Entzerrung der weitsichtigen Lehrersgattin gehen konnte. Wenn die Geschäfte den Kunden genau dort abholen, wo der Weihnachtsstress noch nicht begonnen hat, ist das auch Customer-Relationship-Management.  Das Kundenbeziehungsmanagement-Instrument hat offensichtlich herausgefunden, dass der Kunde sich wohler fühlt, wenn der Stress länger dauert. Oder anders ausgedrückt: Noch bevor die Weihnachtskrise losgeht, will jeder seine latent gestressten Kunden halten – und es gibt ja bekanntlich viele Lehrersgattinnen und Nachhaltikeits-Esotheriker/innen, lange bevor es an die Gewinnung der stark infizierten Neukunden unmittelbar vor dem großen Fest geht.

Jetzt tönen schon die Glocken, die nie süßer klangen, aus den Lautsprechern und treiben nicht nur das Verkaufspersonal, sondern auch mich in den Weihnachtswahnsinn. Mich? Sollte das schlechte Gewissen jetzt doch endlich sein Ziel erreicht haben, Spuren von Weihnachtsstress zu hinterlassen? Wir haben Dezember und es sind nur noch wenige Tage bis zum großen Event. Das wäre doch nur normal, sozusagen eine dem Fest angemessene Reaktion. Und selbst die Menschen verkleiden sich schon festlich – nach dem Event ist schon bald Karneval. Als ich in Gedanken versunken mit meinem Hund aus dem Wald kam, sah ich eben eine solche festlich verkleidete Dame. Zunächst wirkte der lange Mantel mit seinen Stickmotiven aus den 80er Jahren stilistisch eher hilflos denn en vogue. Als ich mich jedoch näherte, erkannte ich, dass die Stickmotive am Saum des Mantels Weihnachtsbäume und Girlanden waren. Na Bravo, dachte ich, Stil aus, Weihnachten an, schließlich kann man ja nie früh genug anfangen.

Zeit, endlich mal wieder an früher zu denken: Ja klar, da war auch mehr Lametta, aber da war vor allem mehr Stimmung, vermutlich weil die Entzerrung noch nicht Weihnachtslust in Weihnachtsfrust verkehrt hatte. Eine Vorsaison gab es nicht, so dass Weihnachtsmärkte erst in  der Adventszeit begannen. Es duftete nach Äpfeln, Mandeln, Nüssen und Lebkuchen. Festlich geschmückte Straßen bestimmten das Bild der Städte. In den Auslagen der Geschäfte glänzte und funkelte es, so dass es Spaß machte, nach den Geschenken Ausschau zu halten. Weihnachtsmärkte verzauberten, weil es weit mehr zu entdecken gab als Bratwurst- und Glühweinbuden. Irgendwie stimmte die Inszenierung vor dem großen Event. Das Arrangement passte in die Zeit und versetze mich in eine fröhliche Spannung. Schon längst den Kinderschuhen entwachsen, möglicherweise aber nicht mehr jugendlich genug für Weihnachtsgefühle, begann ich in meiner Studentenbude bei Kerzenschein, Christstollen und Glühwein, meinen Wunschzettel zu schreiben. Der war meistens lang, zu lang, so dass ich erstmals zu Nikolaus testete, ob sich das Wünsche-Aufschreiben wirklich lohnen könnte. Am Nikolausabend stellte ich meinen Stiefel auf den Balkon und hoffte am nächsten Tag, darin etwas zu finden. Das ging meist schief, was mich jedoch nicht davon abhielt, meinen nochmals redigierten und damit wesentlich bescheideneren Wunschzettel beim nächsten Heimatbesuch ganz zufällig dort zu deponieren, wo meine Eltern ihn zwangsläufig finden mussten. Und tatsächlich klappte es zu Weihnachten besser als zu Nikolaus, denn da waren ja  meine Eltern, die gern in die Rolle des Christkindes schlüpften, so dass meine Begeisterung für den Event des Jahres auch mit zunehmendem Alter nie abnahm. Adventskranz, Weihnachtsbaum, schlesische Weißwürstchen mit Kartoffelsalat zu Heilig Abend, Bescherung und ein festlich gedeckter Tisch zu Weihnachten, die Vorbereitungen für ein leckeres Menü – das alles gehört für mich heute immer noch dazu, wenn wieder Weihnachten ist.

Die Rückblende beruhigt und gibt dem schlechten Gewissen nur wenige Ansatzpunkte, um in die allgemeine Weihnachtshektik zu verfallen. Weihnachten war früher super und bleibt für mich ein tolles Fest. Schlecht gelaunte Weihnachtspaniker und Konsumneurotiker, die kurz vor dem Amoklauf stehen, weil sie eine massive Verknappung an Lebensmitteln und sonstigen Konsumgütern zu verspüren scheinen, lassen sich zwar nicht vermeiden, aber geben manchen Anlass zum Schmunzeln. Auch die Lehrersgattin durchlebt in diesen Tagen die Psychohölle. Der im Februar geplante Weihnachtseinkauf muss jetzt nachgeholt werden. Das ist nicht ganz einfach, denn im Lauf der stressigen Monate hat sie stressbedingt vergessen, was sie dem Gatten, den Kindern und Enkeln schenken wollte. Mir erwidert sie völlig entnervt: „Dass Du jetzt Zeit hast, Plätzchen zu backen.“ „Wann sonst“, frage ich sie, „wohl kaum im März als Pre-Seasonal-Reminder. Du solltest es übrigens auch mal mit der Weihnachtsbäckerei probieren. Das baut Stress ab, ist kreativ und erfreut ganz nebenbei den Gaumen.“ Entgeistert, als  hätte ihr Knecht Ruprecht mit dem Straflager gedroht,  haucht sie einen knappen Gruß und entschwindet von meiner Fröhlichkeit angewidert in der Masse der Weihnachtsneurotiker.

Eine Woche vor Weihnachten klingelt das Telefon hektisch. Die Lehrersgattin meldet sich. „Frohe Weihnachten“, schallt es aus dem Telefon. „Frohe Weihnachten, wieso, ist doch noch lange hin“, entgegne ich völlig konsterniert. Die Lehrersgattin: „ Ach ja, aber wir sind zu Weihnachten bei den Kindern eingeladen. Heilig Abend bei meiner Tochter und den Enkeln, am 1. Weihnachtstag bei meinem Sohn, und am 2. Weihnachtstag feiern wir bei Freunden. Das entzerrt meinen Stress ein wenig. So brauchen wir nicht einzukaufen und zu kochen. (Wenn sie die Wir-Form gebraucht, meint sie ihren Ehemann.) Dann kann ich endlich auch mal entspannen und mich verwöhnen lassen. Nach dem Stress der letzten Monate und Wochen. Und zu Silvester fahren wir nach München zu meiner Freundin und genießen dort noch einmal unsere letzten Weihnachtsferien.“ Dazu muss man wissen, dass der Gatte kurz vor der Pensionierung steht und seine Gattin nun annimmt, dass das süße Leben bald vorbei ist. Die letzten Weihnachtsferien – welch eine Tragik! Ich wünsche artig frohe Weihnachten, einen guten Rutsch und viel Durchhaltevermögen für die schwierige Zeit ohne Ferien. Meine letzten tröstenden Worte: „Dann freu‘ dich auf Ostern, wohl die letzten Ferien, in denen Du dann Deine Weihnachtsgeschenke noch irgendwie fristgerecht besorgen kannst.“ In ihrer Aufbruchsstimmung muss sie diese wohlmeinenden Worte wohl überhört haben. Ich höre noch: „Mach’s gut, wenn’s 2013 mal wieder etwas ruhiger wird, dann melde ich mich“, dann tut, tut…, so dass mein Abschiedsgruß keine Chance hat, die Leitung zu passieren.

Schade, dass Weihnachten nur noch Assoziationen wie Stress, Konsumrausch, Perfektionismus und hochgesteckte Erwartungen hervorruft. Dazu gehören komplizierte Weihnachtsmenüs à la Ducasse auch für die unbegabtesten Köche/Köchinnen, deren Zutatenliste eine niemals enden wollende Einkaufs-Odyssee heraufbeschwört, ganz zu schweigen von der Zubereitung, bei der der Nervous Breakdown vorprogrammiert ist. Als Tüpfelchen auf dem i sorgen schließlich die mehr oder weniger teuren, praktischen oder sonst wie gearteten Geschenke für Weihnachtsfrust. Dabei ist Weihnachten ein fröhliches Fest, da darf auch mal improvisiert und sogar gelacht werden. Hauptsache genießen, ein wenig ausspannen und sich all den Dingen hingeben, die Spaß machen. Ostern kommt früh genug. Die obligatorischen Tulpen zum Fest – übrigens eine kleine Aufmerksamkeit der Lehrersgattin – zeigen, wo es lang geht: mit Überschallgeschwindigkeit durch das Jahr. Deswegen genieße ich Weihnachten, altmodisch, spießig oder was immer man dazu sagen will. Aber es ist schön! Einmal im Jahr keine wuseligen Lehrersgattinnen, keine Hektik, kein überbordender Mailaccount,  sondern Ruhe: mit Büchern, Musik, einem leckeren Essen, einem guten Wein und einem Schuss Märchenherrlichkeit.  All das reicht, um Träume der Kinderzeit wieder lebendig werden zu lassen.

Der „Bremsweg“ des alten Jahres ist 2012 großzügig bemessen. Deswegen ist der Luxus, keinen Endspurt einlegen zu müssen, sondern ganz gelassen den Übergang in die nächste Jahres-Runde zu finden, greifbar. Wir wünschen entspannte und fröhliche Weihnachten und einen guten Start in die neue Jahres-Runde.

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Keine Lust auf Weihnachten?

Es tobt der Weihnachtsfrust. Im Radio hört man Hiobsbotschaften, wie schrecklich es doch zum 1. Advent in den Städten sein wird. Die  Prognosen stehen auf Warnung. Wer sich jetzt noch vor dem vorweihnachtlichen Chaos retten kann, sollte die Flucht ergreifen. Dem Konsum lässt sich ja auch trefflich Online frönen, zum Beispiel auf der Couch: Beine hoch, Mukke an und vielleicht ein nettes Heißgetränk. Mag sein, dass so Stimmung aufkommt.

Wieso gerade im Advent 2012 Panik auf allen Kanälen angesagt ist, weiß ich nicht. Stress-Symptome sind doch zu Weihnachten vorprogrammiert. Dass erste Warnzeichen jedoch schon weit vor dem Event zum Ausbruch kommen, erzählt meine Weihnachtsgeschichte, die ab morgen als „Adventskalender-Fortsetzungs-Geschichte“ hinter den Türchen unseres Adventskalenders auf unserer Facebook-Seite erscheint. Wer Weihnachten mag und gern über Weihnachtspaniker schmunzelt, sollte die Türchen öffnen. Stressbedingt verpassen tut keiner etwas, weil die Geschichte am Ende komplett hier in diesem Blog nachzulesen ist.

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Presseinformationen: Welche Botschaft kommt an?

Presseinformationen zu schreiben, gehört für PR-Agenturen zum täglichen Geschäft.  Aber so manches Mal kommen doch Zweifel auf, ob der mit viel Schweiß geklöppelte und nach langen Korrekturwegen endlich vom Kunden freigegebene Text für Journalisten einen Nachrichtenwert hat. Denn, was dem Kunden wichtig ist, muss nicht zwangsläufig für den Journalisten interessant sein. Das gerade optimierte Produkt xy ist für den Auftraggeber extrem wichtig und muss unbedingt in der Pressemappe zur Messe enthalten sein. Da hilft auch der gut gemeinte Hinweis der PR-Agentur auf die fehlende Aktualität wenig, um den Auftraggeber davon zu überzeugen, dass weniger bekanntlich mehr ist. Selbst das brutale Argument, dass der Text keine Chance hat, in den Medien veröffentlicht zu werden, interessiert nicht. Schließlich lieben die Kunden des Auftraggebers das Produkt und sollen es zukünftig noch mehr lieben, weil es jetzt nochmals verbessert  wurde. Unternehmen verwechseln häufig ihre Zielgruppen oder glauben, dass Journalisten wie Kunden ticken. Falsch! Der Kunde erwartet im persönlichen Gespräch, durch Newsletter oder Kundenmagazine auf Produktverbesserungen, technische Änderungen oder Marketingaktivitäten aufmerksam gemacht zu werden. Den Redakteur oder den Blogger veranlasst die Aktualität oder die interessante Story zur Berichterstattung.

Aktualität allein reicht jedoch auch nicht immer. Emotionen sind gefragt. Der Journalist oder Blogger muss überzeugt sein, dass die Botschaft bei seinen Lesern ankommt, also Erstaunen, Betroffenheit, Begeisterung oder Mitgefühl hervorruft. Dass die Nachricht wahr und nachprüfbar ist, versteht sich von selbst, vor allem bei Zahlen. Achtung! Eine fleißige Redaktion hat ein gutes Archiv, so dass trickreiche Zahlenspiele oder aufpolierte Umsatzzahlen in der Wirtschafts-Presseinformation schnell durchschaut sind.

Welche Botschaften haben es in sich? Womit kann ein Unternehmen bei den Redaktionen punkten?

Die Produktinnovation oder der absolut neue Service sind Themen, die die entsprechende Medien-Zielgruppe begeistern und auch von deren Lesern interessiert aufgegriffen werden.

Mit Referenzobjekten, zum Beispiel mit renommierte Bauten im In- und Ausland, mit Schiffen und Ladeneinrichtungen, in denen das Produkt zum Einsatz kommt, lässt sich relativ einfach auf der Welle der Wahrnehmung surfen. Das Gleiche gilt für Dienstleistungen, mit denen Kunden ihre Geschäftsprozesse optimieren können.

Die Gründung von Tochtergesellschaften im Ausland, Investitionen in neue Fertigungsstätten, Umweltzertifizierungen, Umweltengagement, nach ökologischen Richtlinien gebaute Verwaltungs- und Industriegebäude haben für die Fach- Regional- und Lokalmedien  einen hohen Nachrichtenwert. Je größer das Unternehmen ist, das die Botschaft verkündet, um so eher schafft es die Nachricht möglicherweise auch in die überregionale Tagespresse. Für eher kleinere Unternehmen gilt jedoch: Regionale und lokale Medien sowie die Fachmedien sind die richtigen Zielgruppen.

Personalnachrichten finden relativ leicht den Weg in die lokale Presse. Die Jubiläen langjähriger Mitarbeiter, neue Auszubildende, bestandene Prüfungen, die Zusammenarbeit mit Schulen und Hochschulen vermitteln ganz besonders im lokalen Umfeld Sympathie. Unternehmen, die solche Themenfelder besetzen, kommunizieren Unternehmenskultur und nutzen die PR als eine Möglichkeit, Nachwuchs zu finden und zu binden.

Presseinformationen zu Studien und Umfragen, Trendberichte und Marktentwicklungen unterstreichen die Branchenkompetenz des Unternehmens. Werden darüber hinaus Fachartikel zum Beispiel als White Paper auf der eigenen Website angeboten oder Zahlen und Datenmaterial zum Beispiel in einem Newsroom auf der Website bereitgestellt, erhalten Medien und Blogger leichten Zugang zu Informationen, die die Recherche erleichtern und für das Thema sensibilisieren.

Die Beispiele zeigen, dass neben der schlichten Produktinformation viele Themen das Zeug haben, Journalisten und Blogger sowie deren Leser zu begeistern, aufzurütteln, Denkanstöße zu geben oder sogar Spannung zu erzeugen. Wer in einer zunehmend komplexeren Kommunikationswelt wahrgenommen werden will, sollte  Themen setzen und diese langfristig pflegen. Die meisten Themen finden sich im Unternehmen selbst, man muss nur genau hinschauen. Wer die Themen klug und seriös setzt, so dass sie auch zum Unternehmen passen, wird als glaubwürdiger Kommunikationspartner wahrgenommen.

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Authentizität – ein Modewort mit Janusgesicht

Vor lauter Kult um die Authentizität (der Begriff wird mittlerweile so inflationär benutzt, wie der Begriff „Nachhaltigkeit“) kommen wir gar nicht mehr dazu authentisch zu sein. Mit dem Web 2.0 wurde die Forderung nach Authentizität dominant. „Sei einfach Du“, raten die Strategen. Ist das wohl richtig? Gehört die Inszenierung – scheinbar ein Antonym – nicht dazu, wenn es um die vielbeschworene Authentizität geht?

Schwindelig liest sich, wer im Netz nach Definitionen für „Authentizität“ sucht. Verwirrung liegt da näher als Aufklärung, ob der vielfältigen Auslegung des mittlerweile täglich zu lesenden und zu hörenden Begriffs.

In einschlägigen Wörterbüchern findet man die Bedeutungen Echtheit, Zuverlässigkeit, Glaubwürdigkeit, Natürlichkeit. Authentisch ist, was beglaubigt, belegt, echt, glaubwürdig, unverfälscht und verlässlich ist. Wikipedia verweist auf die unterschiedlichen Disziplinen, in denen der Begriff Authentizität nuancierte Bedeutungsformen annimmt.

Wenn wir den Begriff mit Echtheit, Zuverlässigkeit und Glaubwürdigkeit verbinden, dann stellt sich schnell die Frage, ob es um das „Sei einfach Du“, also die individuell persönliche Authentizität, geht, oder vielmehr darum, ob eine Person oder ein Unternehmen in der Wahrnehmung Dritter als authentisch wahrgenommen wird. Hier zeigt sich bereits die Crux mit der Authentizität, denn der Begriff lässt viel Spielraum für Interpretationen.

Bleiben wir zunächst beim „Sei einfach der, der Du wirklich bist“: Ein solches Vorhaben kann fatale Folgen haben –  in der Offline-Kommunikation genauso wie im Web 2.0. Ein authentischer, aber übellauniger CEO bei einer Pressekonferenz ist unausstehlich. Sein schlechtes Benehmen kann keine Rechtfertigung für Authentizität sein. Ein Unternehmen, das zwar erfolgreich ist, aber im Umgang mit seinen Beziehungsgruppen eher grobschlächtig agiert, ist zwar authentisch, aber irgendwie unsympathisch. Ein flapsiger Post, ein grenzwertiges Foto oder eine aus dem Bauch heraus gestartete Kampagne können schnell einen Sturm der Empörung  oder im schlimmsten Fall einen Shitstorm auslösen. Und auch als Privatperson ist es nicht immer glücklich, das zu verbreiten, was man gerade so denkt. Schließlich beobachten Personalabteilungen und Chefs die Profile ihrer Angestellten. Dabei kann zwanghafte Authentizität mehr schaden, als dass sie nützt.

Das führt zu einer zweiten Interpretation von Authentizität, der Wahrnehmung: Hier  nimmt der Begriff Inszenierung eine wichtige Rolle ein. Das klingt schlimmer als es ist, denn schließlich möchte wohl jeder – egal ob on- oder offline – positiv wahrgenommen werden. Dazu  gehört es auch, sich rollengerecht- und situationsbewusst zu verhalten: im Vorstellungsgespräch genauso wie auf Facebook. Wer sich an die „Nettiquette“ hält und nicht so postet oder kommentiert, wie ihm der Schnabel gewachsen ist, macht ja bereits Zugeständnisse und weicht  Authentizitätsforderungen auf. Das ist nicht verwerflich, sondern normal, weil wir auch offline Regeln im Umgang mit dem Chef, Kollegen, der Familie und Freunden einhalten müssen. Stellen wir uns den Kollegen vor, der ständig schlechte Laune verbreitet, aber  sagt, „so bin ich eben“. Oder den besser wissenden Mitarbeiter, der sich authentisch fühlt, aber Kunden vergrault. Die Forderung nach dem unverstellten „Ich“ ist eine Schimäre.

Den Kult um die Authentizität weiter voranzutreiben, lohnt sich also nicht. Für mich geht es darum, Werte und Verhalten in Einklang zu bringen. Darüber hinaus sollten Stärken und Schwächen immer analysiert werden, um Leistungsvermögen herauszustellen, ohne Schwachstellen  zu beschönigen. Dieser Punkt ist ganz wichtig, wenn es um professionelle Kommunikation geht. Für Kommunikationsagenturen heißt dies, Einfühlungsvermögen zu beweisen. Man muss fähig sein, sich in unterschiedliche Kontexte, in unterschiedliche Unternehmens- und Menschentypen einzufühlen, um Lösungen zu finden, die dem Unternehmen gerecht werden. So gelangt man zu einer verantwortungsbewussten Kommunikation –  ein wichtiger Schritt in Richtung des Ideals „Authentizität“, wenn man wirklich bei diesem tückischen Begriff bleiben will.

Bei allem Kult um die Authentizität  strebt doch jedes Unternehmen danach, in der Informationsflut wahrgenommen zu werden. Wie beim Angeln sollte der Köder möglichst viele Fische anlocken und sie zum Anbeißen animieren. Für die PR bedeutet das, in der Informationskonkurrenz Zielgruppen „anzufüttern“ und ihr Vertrauen zu gewinnen. Die Vermittlung von Schlüsselbotschaften, Positionen und Werte dient nun mal dazu, ein Unternehmen als attraktiven Arbeitgeber, zuverlässigen Geschäftspartner, kundenfreundlichen Berater, innovativen Hersteller oder verlässlichen Dienstleister auszuweisen. Wer hier beratend tätig ist, benötigt viel Fingerspitzengefühl. Denn oftmals müssen Unternehmen erst einmal dahin geführt werden, ihre Identität zu finden, um daraus eine Unternehmenskultur mit gelebten unternehmerischen Werten zu entwickeln.

Wenn das Leistungsversprechen des Unternehmens stimmt, ist es legitim, Stärken herauszustellen. Allerdings: Finger weg von schillernde Floskeln und  „aufgesetzten“ Themen, die nicht zum Unternehmen passen. Und auch Mängel sollten niemals  verschwiegen werden, was eine glaub- und vertrauenswürdige Kommunikation mit den unterschiedlichen Beziehungsgruppen per se ausschließt. Farbe bekennen und Haltung zeigen muss jeder, der auf Augenhöhe mit seinen Partnern kommunizieren will.

Mein Fazit: Wer den lebendigen, glaubwürdigen Dialog sucht, läuft weniger Gefahr, Authentizität zu simulieren oder sich ihr bedingungslos zu unterwerfen.

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Die Kinder der Wüste

Nein, nicht Serengeti, die Servicewüste liefert den Stoff, aus dem der Frust kommt. Über die Maßen mit Versprechungen aus dem Dienstleistungspotenzial gewässert, treibt sie immer wieder grelle Blüten. Man muss nur Kunde sein, auf alle Königsansprüche verzichten, zuhören und verkraften, und dann mit dem „Wusste-ich-vorher-Gesicht versuchen zu verstehen.  Und doch mag man kaum glauben, was die Kinder der Wüste (Kindermund tut Wahrheit kund) an altklugen Weisheiten so plappern. Beispiel gefällig? Na dann gut aufgepasst:

„Leider ist es mir auch nicht möglich, bei der Vielzahl meiner Kunden, zu erahnen, was meine Kunden zukünftig machen wollen, daher schicken wir in regelmäßigen Abständen per Email den „MK-Aktuell“ mit den neuesten Produkten und Entwicklung am Markt.“

Grammatik: Fehlanzeige; Interpunktion: Glücksache: Profession: Kundenberater. Kaum lässt sich eleganter sagen, wie untergewichtig, wie egal einem ein Kunde ist. Wer nicht liest, was online vermüllt wird, und wer daraus nicht die perfekten Schlüsse für das Einbetteln einer Beratung zieht, bleibt also selbstverschuldet auf der Strecke. Zwei Mal geschluckt und abgehakt. Da helfen dann auch keine Floskeln mehr. Im O-Ton: ….. sicherlich habe ich kein Interesse daran, dass Sie jetzt unzufrieden sind. Es tut mir wirklich leid, dass Sie unzufrieden sind.“ Darunter dann altbacken gestelzt: „Mit freundlichen Grüßen“.

Die Kinder der Wüste treiben wie Erdmännchen ihr putziges Spiel mit den Kunden. Sie wässern den Boden, der uns die Servicewüste noch lange erhält. Getreu dem Motto: Serengeti darf nicht sterben.

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Timeline als Gedächtnisauffrischung

Ob wir wollen oder nicht: Facebook erzwingt die Timeline. Vielleicht hilft sie sogar. Mehr noch. Sie animiert, 40 Jahre Agentur-Geschichte in Meilensteine zu gliedern. Sozusagen Stein auf Stein. Wie die Säulen der Erde Agentur, die unsere Existenz sichern und unseren Erfahrungsschatz dokumentieren. Und Ehrenurkunden an den Wänden unseres Konferenzraumes sind nun öffentlich.

Dabei geschieht Substantielles. Der Vorsatz, auf verstaubt müffelnde Ambitionen zur denkmalartigen Heroisierung verzichten zu wollen, wird brüchig. Die Aneinanderreihung verschiedener Aktivitäten nimmt für sich in Anspruch, Bleibendes geschaffen zu haben.

Der Nieburg-Wald in Löhne mit Findling und Inschrift wächst seit über dreißig Jahren. In Oberderdingen am Sitz von Blanco wurde das jährliche Aufstellen des Maibaums in den 80er Jahren reaktiviert. Das jährlich – heute im Holzmann-Verlag – erscheinende BVDM-Taschenbuch hält sich seit über zwanzig Jahren. Die Messeparty zur imm-cologne mit dem schönen Namen MÖBELTREFF läuft weiter. Noch immer gibt es das Beschläge-Magazin, das 1993 erstmalig auf den Markt kam, inzwischen im Titel um das Wort Design ergänzt wurde und seit 2004 in redaktioneller Verantwortung des DRW-Verlages erscheint. Die auf zäh laufendem Spendenaufkommen basierende Arbeit der Josef-Lauten-Stiftung fördert den Nachwuchs seit 1990.

Als die Welt begann, das Wort Computer zu buchstabieren, erblickte der Arbeitskreis Datenverarbeitung beim BVDM unter unserer Leitung das Licht der Welt. Die internationalen Küchenfachzeitschriften nutzten ein von uns initiiertes Treffen in Luxemburg, um sich auszutauschen. Zusammen mit dem französischen Verleger und Visionär Bernard Verries entstand die Idee einer europäischen Küchenmesse sowie die Gründungsinitiative eines europäischen Verbandes der Küchenspezialisten. Die PR-Aktivitäten erstreckten sich in den 90er Jahren im internationalen Netzwerk auf elf Länder. Presseveranstaltungen zwischen USA und Japan gehörten zum Arbeitsalltag.

Etliche Ideen blieben in ihren zukunftsgerichteten Aktivitäten stecken. Sie waren der Zeit voraus. Manches bewährte sich. Verlage griffen die Idee der Themen-Specials auf. Messen denken nicht mehr in Quadratmeterumsätzen, sondern kümmern sich um die Ziele ihrer Aussteller. Viele Firmen machten mit uns die ersten Schritte in die systematische Öffentlichkeitsarbeit. Sie führen sie mit und ohne uns fort.

Nicht alles findet sich in der Timeline von Facebook bei www.facebook.com/MSWW.PR Und doch zeigt sie kurz und bündig die wichtigen Stationen der Achterbahnfahrt durch das Gedächtnis. Der derart aufgebröselte Erfahrungsschatz umreißt unsere Kompetenz. Facebook sei Dank.

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Lockstoff Designpreise oder ungenutztes Potenzial?

Helfen Designpreise beim Verkauf im Möbelhandel. Dieser Frage widmete sich die Projektarbeit an der Fachschule des Möbelhandels in Köln (Möfa). Auf Initiative und mit Unterstützung der Josef-Lauten-Stiftung hatten zwölf Studenten des dualen Studiengangs 2009 zwei Jahre lang akribisch recherchiert, Händler- und Endkundenbefragungen durchgeführt und Ergebnisse analysiert.

Kennen Sie Designpreise?

Die Kenntnis darüber, ob Kunden überhaupt auf Designpreise anzusprechen sind, hilft fraglos im Verkauf. Eine gründliche Kundenbefragung liefert aufschlussreiche Erkenntnisse. Bei den 16- bis 30-jährigen Kunden, kennen 77 Prozent keinen Designpreis. Mit 60 Prozent ist die Unkenntnis bei den 31- bis 50-jährigen Befragten etwas geringer. 73 Prozent der 50- bis 65-Jährigen und 70 Prozent der Gruppe 65 plus kennen keine Designpreise. Das ernüchternde Fazit: „Designpreise sind bei unseren Endkunden allgemein noch eher unbekannt.“ Kein Wunder also, dass bei Entscheidungskriterien wie Optik und Preis kaum eine Bereitschaft zu erkennen ist, für die mit Designpreisen ausgezeichneten Möbel mehr Geld auszugeben.

Nutzt der Möbelhandel Designpreise?

Die Befragung des Handels macht deutlich, dass die Mehrheit Designpreise durchaus als verkaufsfördernd einstuft. Und trotzdem verblüfft das Ergebnis, dass 44 Prozent der Händler des mittleren Preissegments einen Designpreis nicht in die Verkaufsargumentation einbeziehen. Im mittleren Preissegment nutzen nur 50 Prozent einen Designpreis in der Beratung als Thema. Ganz anders sieht es im hohen Preissegment des Handels aus. Hier beraten 77 Prozent der Händler in Richtung der Designpreise und nutzen sie als verkaufsfördernde Argumentation.

Und wie steht die Möbelindustrie zu Designpreisen?

Die Frage erübrigt sich nahezu. Im Herstellerbereich haben die preisvergebenden Institutionen massiv Fuß gefasst. Die Fülle der Auszeichnungen, die in den Vergabe-Kriterien nahezu deckungsgleich sind, findet ihre Abnehmer. Mit Stolz kennzeichnen die Hersteller ihre Modelle mit dem wertenden Label. Vollmundig steht in den Verkaufsunterlagen, dass eine unabhängige und möglichst hochkarätige Jury den ohnehin seit Jahren betonten Produktwert bestätigt habe. Ein entsprechendes Etikett am Produkt beendet die Argumentationskette in dem Irrglauben, dass der Preis bekannt genug sei, um für sich selbst zu sprechen.

Die Themen Designpreise und Design sind im Handel nicht angekommen, schlussfolgerte die Projektgruppe. „Der Handel braucht Nachhilfeunterricht in der Frage, wie Design zu verkaufen ist“, hieß es in Köln. Mehr noch: Die für die Designpreise verantwortlichen Institutionen sind aufgefordert, über ihre häufig nicht preiswert gepflegte Eigendarstellung hinaus den Preisträgern ein Argumentarium an Hand zu geben, das in der Vermarktung bis hin zum Endverbraucher unterstützend hilft.

Schade, dass Designpreise im Möbelhandel scheinbar zu einer Marginalie verkommen. Sollten sie im Marketing doch vielmehr als große Reserve gelten, um mit intelligenter Kreativität neue Impulse für den Verkauf zu schaffen.

Zur Studie geht es hier.

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Nach 40 Jahren am 40. Tag

Abergläubisches Unken hilft nicht. Schließlich leben wir nicht in China. Dort zumindest gilt die 4 als Unglückszahl. Vier Jahrzehnte unserer Selbständigkeit liegen hinter uns. Am 40. Tag dieses Jahres schrammte uns das Schicksal mächtig. Ein Wasserrohrbruch am 9. Februar 2012 zerstörte neben den über uns liegenden Wohngeschossen gut die Hälfte unserer Wirkungsstätte. Zwei Büros total vernichtet, der Eingangsbereich beschädigt, der Konferenzraum voll mit geretteten Archiven. Und im Rest unserer Bleibe rücken wir auf engstem Raum zusammen, um wenigstens noch das Wichtigste abzuarbeiten.

Es gibt tatsächlich Schlimmeres. Doch der aufgezwungene Umstand taugt nicht als Dauerlösung. Horden von Handwerkern, Gutachtern, Sachverständigen, Versicherungsmenschen, Architekten und Service-Leuten für das IT-Netzwerk und die Telefonanlagen schwirren durch die Räume, erfreuen sich an den eigenen Kommentaren und verfallen in Aktionismus, der hoffentlich zu etwas führt.

Unbeantwortet bleibt die wichtigste Frage: Wie lange noch? Trocknungsturbinen laufen 24 Stunden am Tag, Ozon-Geräte sollen den moderigen Gestand eliminieren, eilfertig hervorgezauberte Feuchtigkeitsmessgeräte generieren unbefriedigende Ergebnisse. Das unter Denkmalschutz stehende Haus beweist seine Alterskraft durch Zwischendecken aus Holz, Lehm und Strohmatten. Sie sind Schwämme, die sich vollgesogen haben. Holzsprossenfenster zeigen Zerfallserscheinungen, an den Türen bröckelt der Lack der Jahrzehnte ab.

Natürlich: Wir sind ja versichert. Elektronik-, Inhalt (so heißt der Hausrat in einem Büro) und Betriebsunterbrechung stehen in den Policen der Gesellschaft, die sich werblich gern mit Klartext profiliert. Jetzt beginnt der Kampf ums Kleingedruckte. Der Vermieter bietet Mietpreisminderung, die Bank Kredite, wenn’s klemmen sollte.

Verglichen mit Naturkatastrophen, bei denen in der Regel minder bemittelte Menschen millionenfach Hab und Gut verlieren, geht es uns gut. Wir verlernen das Klagen, freuen uns über kleine Fortschritte und treten hoffnungsfroh jeden Morgen wieder an. Die erste Woche nach dem Gau ist abgehakt. Weitere Wochen der Trocknung und Renovierung werden folgen. Was bleibt, ist Hoffnung. Wir geben nicht auf!

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