Social Media, digitale Medien und Technologien, die es Nutzern ermöglichen, sich untereinander auszutauschen und mediale Inhalte einzeln oder in Gemeinschaft zu gestalten, gewinnen zunehmend an Bedeutung und wandeln mediale Monologe in sozial-mediale Dialoge. Was Wikipedia einfach definiert, scheint für Unternehmen oft schwer anwendbar. Zu unübersichtlich die Masse an Social Media Plattformen, zu schnell die Entwicklung in diesem Bereich, zu eingefahren die Unternehmensstrukturen, zu groß die Unwissenheit und zu zahlreich die Ängste. Das alles steigert das Risiko, dass Chancen ungenutzt bleiben. Wer mitziehen will, muss sich weiterbilden.
Als erste Adresse trat – auch für uns als unternehmensberatende PR-Agentur – die Social Media Akademie (SMA) ins Blickfeld. Hier tummelt sich das Who-is-who der Branche: Der Kommunikationsberater Klaus Eck, dessen PR-Blogger.de seit mehr als sieben Jahren der erfolgreichste deutsche Fachblog zur Online Kommunikation ist, der Rechtsanwalt Dr. Carsten Ulbricht, der Mandanten weltweit in allen Rechtsfragen des E- und Mobile Commerce sowie zu allen Themen im Bereich Social Media berät, internetbasierte Geschäftsmodelle prüft und der in seinem Weblog zum Thema „Web 2.0, Social Media & Recht“ regelmäßig über neueste Entwicklungen in der Rechtsprechung berichtet, oder Dr. Benedikt Köhler, ausgewiesener Spezialist für Marktforschung in den nutzergenerierten Medien, um nur einige zu nennen.
Bei der SMA lernt man als Einsteiger oder Professional alles über das weite Feld Social Media. Es gibt Kurse, die zum Community Manager oder zum Social Media Manager ausbilden oder bei der Entwicklung von Social Media Marketingstrategien helfen. Bereits im letzten Jahr absolvierte die Kollegin Cornelia Hackenbruch hier den Basis Lehrgang Social Media, letzte Woche beendete ich den Lehrgang „Corporate Social Media“, der befähigen soll, Kunden auf diesem Gebiet strategisch zu beraten.
Acht Mal um 18 Uhr loggte ich mich mit bei der Social Media Akademie ein, um die Vorlesungen zur Strategieentwicklung und -implementierung, zu Targeting, Monitoring und Erfolgsmessung, zu Krisenkommunikation und Reputationsmanagement, zu Social CRM, Social Media Policy und Enterprise 2.0 zu verfolgen. Der Clou: Weil die Vorlesungen aufgezeichnet sind, steht der Referent parallel im Chat zur Verfügung, in dem man sich noch dazu mit allen Teilnehmern rund um den Globus unterhalten kann. Alle Vorlesungsunterlagen stehen zum Download für das Selbststudium auf der Lernplattform bereit. Und damit man das Gelernte auch gleich anwenden und diskutieren kann, gibt es in den bekannten Online-Communities Gruppen und Foren. Lehrgangsleitung und Tutoren beantworten organisatorische und inhaltliche Fragen.
Die Geschäftsidee ist genial – eigentlich
Wären da nicht die Tücken des Alltags, der Technik und – nach nicht einmal zwei Jahren – auch und vor allen Dingen der Routine. Von der nach eigenen Worten „führenden Akademie zur beruflichen Weiterbildung in Social Media“ erhielt ich auf meine Frage bei Anmeldung kein Feedback. Fehlende oder zu spät gelieferte Chatprotokolle widersprachen einem weiteren Social Media-Dogma: „Schnelligkeit geht vor Perfektion“. Darüber hinaus kam es vor, dass ein Dozent im Chat gerade bei einem schwer verdaulichen Thema nicht anwesend war und die Vorlesung wiederholt werden musste. Teilnehmer beklagten sich darüber, dass Unterlagen nicht herunter geladen werden können oder die Vorlesung nicht bei allen parallel abläuft.
Und auch der Clou der SMA-Lehrgänge, die aufgezeichneten Vorlesungen, entpuppten sich nach genauerem Hinsehen allein als Vorteil für die Akademie. Sie kann das „Wissen aus der Konserve“ beliebig oft in die Lehrgänge einbauen, und zugleich können mehrere Lehrgänge ein und dieselbe Vorlesung verfolgen. Das führt bei Teilnehmern nicht nur zu Dejà-vu-Erlebnissen, sondern sorgt auch im Chat für Chaos. Weiterer Nachteil: Es kommen immer wieder dieselben Beispiele der Big Player als Best Practice zur Sprache. Erfahrungen mit KMU haben offenbar auch die Social Media Spezialisten noch nicht gemacht.
Der Vergleich zum Basis Lehrgang Social Media offenbarte auch, dass die Bewältigung der Lernaufgabe bei Cornelia Hackenbruch noch wirklich auf Social-Niveau stattfand, während ich mir vorkam wie ein „lone wolf“. Bahnte sich einmal ein Kontakt an, dann nicht aufgrund inhaltlicher Diskussionen, sondern wegen organisatorischer Fragen. Das lässt auf mangelnde Unterstützung durch die Lehrgangsleitung schließen, die sich mit verräterischen Standardformulierungen in Lehrgangsauschreibung und -unterlagen und mit nur vier von 13 angekündigten Kursnachrichten in meinen Augen keine Lorbeeren verdient hat.
Zurzeit warte ich auf mein Testergebnis und das Abschlusszertifikat. Ich habe ein gutes Gefühl, denn letztlich habe ich viel gelernt. Offen bleibt aber bis zur ersten praktischen Bewältigung einer Kundenanfrage, ob mich der Lehrgang tatsächlich zur Beratung befähigt. Zwar bescheinigt ein Kommilitone, dass meine Analyse des Social Media Engagements der Schneeweiss AG Interior „schon fast als ‚Blaupause’ für ein Beratungsmandat dienen“ könnte, aber ein weiteres Feedback von einem der Experten wäre hilfreich gewesen – oder steht noch aus.